Posts mit dem Label sozialdemokratie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label sozialdemokratie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 27. August 2015

Wie kann man junge Menschen in sozialdemokratische Bewegungen einbinden?

Am 12. Juni fand in Budapest der Kongress der Party of European Socialists, der europäischen SozialdemokratInnen, statt. Ich hab da in einem Workshop zum Thema "Wie kann man junge Menschen in sozialdemokratische Bewegungen einbinden?" ein paar Worte gesagt.

Danke an Frèdèrick Moulin für das Video und das Transkript!

---------------------------------



#PEScongress - Workshop: "How to involve young generations in the social democratic movements?" in workshop: "Challenges for Social Democracy in XXI Century" with Laura Slimani, Young European Socialists - YES President ; young MEP Brando Benifei (S&D, IT) ; Michael Mayer, working in the Brussel Office of the Austrian Chamber of Labour and one of the lucky selected participants of #EYEHearings2014 in the European Parliament ; Omri Preiss, the assistant of a great MEP among the Labour MEPs; an activist from PES Munich ; Ania Skrzypek, Senior Research Fellow at FEPS - Foundation for European Progressive Studies, in charge of the Next Left ... - 12.06.2015 - Budapest, Hungary.

Laura Slimani: "We often say that Europe is the most important place where things happen for my generation. Many people, and I believe it is the case, that at least 50% of our destiny, whether we will have a job, whether we will be able to live in dignity, that these decisions are taken as much as the national level than at the European level. So, we, as Young European Socialist, believe that, if this is the case, if 50% of our destiny is happening at the European level, then 50% of our activism has to happen at the European level. (...)"

Brando Benifei: "We need to make reflections more clearly about the institutional system and the voting system (...)"

Laura Slimani: "We, as Young European Socialists, question the strategy of being in a Grand Coalition with the right at the European level. (Applause) We believe that at the moment it's not making a difference in the way Europe is led. So we want to put the question out there: what's the best strategy for European Socialists in the future ? Is it maybe to be in a left-wing coalition ? We think it's a question we need to address. (...)"
Brando Benifei: "Regarding what Laura was saying (...) when we talk about Grand Coalition, it's again a matter of institutions on the European level. Because we can say we make a left-wing alliance in the European Parliament, but unfortunately the European Commission is nominated only by the member states, where there is a majority of conservatives, so if we stop the coalition on big issues with the Liberals and the EPP, we must be conscious that the European Union as it is now will not work. So we need to change it, because as it is now, (...) in the end we cannot pass a Juncker plan on investments, a better one, with a left-wing coalition in the European Parliament. It's institutionally impossible. (...) The problem that we have, that is the institutional mechanism that brings a necessary Grand Coalition in the institutions of the EU starting with the Commission. (...) (If we want to) give the image of politics that can change things, that can take its own responsibility, we need to have electoral and institutional system that hold that. "

AniaSkrzypek: "It's not going to be a discussion between us (...)"

Michael Mayer: "Within the parties (...) we have to make sure that young people (...) can express their own ideas and their own views (...) if you are young, you tend to get shaped and get patronised. This is something that has to be stopped. (...)
You might know that all these concepts have been on the table for 10 years or even longer, saying we need to empower young people within the parties, we need t make their voices heard within parties ; but it's not happening. So that's the point: we do know basically how to get young people involved, we should just start doing it !"

Omri Preiss: "(...) cynicism about politics as a whole: I mean, we have these huge issues, but they are not being addressed by anyone practically, whether it's the financial crisis, or Climate Change. If you look at it from the outside, you see the establishment not being very active on a lot of very obvious issues. So, I think one thing to do is to embrace a very kind of grassroots approach, a very transparent and democratic approach, which transmits a certain amount of honesty, of integrity, in a kind of "I practise as I preach" . You know, I think the left really needs sort of a Gandhi figure, or something like that (laughter in the audience), or taken a few steps apart, an Obama-type figure, someone who can really communicate a clear and honest message, and gives a feeling of "I-am-like-you", in a way that provokes identification (...)"

PES Munich activist: "(Talking about Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) and Jusos in der SPD) The gap between the 25 and the 45, which is actually also the economical motor of the society wasn't really represented, so, thank God the PES Group in Munich is more our age so it's c;ear where we are going, the European direction. What I think the problem is, is the tone of the message. I've observed it in Spain: European youth, they are politically interested ; the problem is I think the tone of the message ( ... )"

Summary & conclusion by Brando Benifei.

© Frédérick Moulin 2015 - All rights reserved.

Samstag, 13. Oktober 2012

Nachrichten vom Ableben des Werner Faymann sind vielleicht gar nicht so übertrieben.

Heute fand der 42. Bundesparteitag der SPÖ in St. Pölten statt. Und gleich die wichtigste Nachricht voraus: Werner Faymann wurde mit nur 83,43 % der Stimmen als Parteivorsitzender wiedergewählt. Kein anderer vor ihm fuhr so ein katastrophales Ergebnis ein.

Aber Warum?

Warum Faymann so ein schlechtes Ergebnis einfuhr, liegt auf der Hand: Wer seine Parteimitglieder vorführt, Meinungen und Positionen via Tageszeitungen ändert, nur reagiert statt agiert, der darf sich nicht wundern. Wer sich mit haarsträubenden Argumenten gegen ein Auftreten im Untersuchungsausschuss wehrt, und selbigen dann abdreht, der muss damit rechnen, dass die Basis irgendwann genug hat. Und wer dann noch die Diskussionskultur innerhalb der Partei total aushöhlt, der hat eigentlich nichts anderes verdient.

Und wieder mal sind es Personen wie Andi Babler, Sonja Ablinger, Boris Ginner und wie sie alle heißen - die üblichen Verdächtigen halt, für die Sozialdemokratie mehr ist als nur Wahlen zu schlagen -  die zur Stimme der Basis wurden und das alles aussprachen.



Zum Thema Parteiendemokratie:

Vor zwei Wochen wurde mir per Mail mitgeteilt, dass keine Gastdelegiertenkarten mehr verfügbar seien, da der Andrang auf den Parteitag so groß sei (zur Erklärung: Gastdelegiertenkarten beinhalten ein Rederecht, über Personalia und Inhalte darf aber nicht abgestimmt werden). Ich bin trotzdem heute nach St. Pölten gefahren.

Was die SPÖ unter "großem Andrang" versteht, zeigte sich spätestens nach Faymanns Rede: Von da an war der Saal permanent halb leer. Auch ordentlich Delegierte verließen die Veranstaltung, haufenweise herumliegende Stimmkärtchen zeugen von ihrer Abwesenheit. Das ist in doppelter Hinsicht traurig. Zum einen zeigt sie vom offensichtlichen Desinteresse an programmatischen Diskussionen, und verhindern dass jene, die sich Gedanken um diese Thematik machen, am Parteitag mit allen Rechten teilnehmen. Zum anderen tragen sie zum Untergang der SPÖ bei - schließlich ist der Parteitag das höchste Gremium der SPÖ, hier sollten politische Eckpfeiler gesetzt werden, hier sollten Debatten um die Vision und die Ziele der Sozialdemokratie geführt werden. Von alledem war nichts zu sehen. Die Wehrpflichtdebatte - abgeblasen. Inserate, U-Ausschuss - nur ganz kurz angestreift (Faymann: "Gibt keine bösen Inserate"). Lediglich bei der Diskussion um Studiengebühren zeigten sich manche Delegierte - vor allem die der Jugendorganisationen - diskussionsfreudig, wurden aber von Prammer mit dem Hinweis auf die Uhrzeit bald wieder abgewürgt.

Auch die Abstimmungsmodalitäten sind etwas anders als gewohnt: Es werden Kapitel blockweise abgestimmt, es sei denn, jemand verlangt eine einzelne Abstimmung über einen gewissen Antrag. Sämtliche Anträge, zu denen keine Wortmeldungen vorliegen, gelten automatisch als angenommen. Oder abgelehnt. Oder zugewiesen. Das entscheidet die so genannte Antragsprüfungskomission (APK), die zu jedem Antrag eine Abstimmungsempfehlung abgibt. Und die ist dann eben bindend, wenn der betreffende Antrag nicht diskutiert wird. Abgestimmt wird auch nicht über die Zustimmung oder Ablehnung eines Antrages, sondern über die Empfehlung der APK.

Demokratie, liebe SPÖ, sieht anders aus. Demokratie bedeutet, dass auf einem Parteitag alle Parteimitglieder mitentscheiden dürfen, dass sie alle Ihre Meinung kundtun können, dass man sich Zeit nimmt um Positionen zu erarbeiten und sich inhaltlich aufstellt. Demokratie bedeutet, dass das neue Parteiprogramm auf einer breiten Basis stehen muss, dass es die Lebensrealitäten der Menschen ablichtet, und eine klare Vision von einer besseren Welt enthält. Demokratie bedeutet auch, sich Zeit zu nehmen und alle Für und Wider einer Position zu erörtern, auch wenn das länger dauert als ein paar Stunden.

Das, was die SPÖ in den letzten Monaten und heute geboten hat, war keine Demokratie, sondern eine missglückte Inszenierung von Werner Faymann und der Parteiführung.


Dienstag, 9. Oktober 2012

Mit uns zieht die neue Zeit?

Am Samstag berichtete der Kurier, dass das neue Parteiprogramm der SPÖ von Karl Blecha, Vorsitzendem des Pensionistenbundes und ehemaligem Innenminister, neu geschrieben werden soll. Blecha hat Erfahrung darin, bereits das letzte Parteiprogramm von vor 14 Jahren stammt aus seiner Feder. Anscheinend hat die SPÖ niemanden mehr, dem sie zutraut, diese Aufgabe zu meistern. Warum sonst beauftragt man einen 79-jährigen mit der Erneuerung des Parteiprogramms?

Dass die Bekanntgabe am Freitag erfolgte, während die SPÖ gerade den parlamentarischen Untersuchungsausschuss abgedreht hatte, entbehrt nicht einen gewissen Symbolik. Blecha wurde 1993 wegen Beweismittelunterdrückung und Urkundenfälschung im Fall Noricum zu neun Monaten bedingt verurteilt.

Und eben dieser Blecha solls jetzt richten und die SPÖ zukunftsfit machen. Es ist auch von neuen Medien die Rede, Günther Kräuter soll da ein bisschen mitmischen, aber alles in allem ist die Ankündigung der SPÖ so etwas wie eine Bankrotterklärung.

Freitag, 20. Januar 2012

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust!

Am Mittwoch ist, zuerst auf Twitter, dann im Kurier ein Gerücht aufgetaucht: Die SPÖ will angeblich die Notstandhilfe kürzen, bis zu 500 Millionen Euro sollen so eingespart werden. Der Aufschrei war groß: Wie kann die SPÖ, die Partei die eigentlich gegründet wurde, um Leuten wie Notstandshilfebeziehern Rahmenbedingungen für ein besseres Leben zu ermöglichen, wie kann ausgerechnet diese Partei daran denken, bei den Ärmsten der Gesellschaft zu sparen?

Dann hab ich überlegt, warum ich mir das antu. Mitglied einer Partei zu sein, die tagtäglich meinen Interessen wiederspricht, in der Inhalte nicht mehr existent sind, und in der Ideologie nichts mehr zählt, solange man nur loyal genug zum großen Vorsitzenden ist. Ich hab lange nachgedacht, warum ich der SPÖ beigetreten bin, und ob das noch reicht, um nicht meine Mitgliedschaft zurückzulegen.
 
Zum einen glaub ich, dass die Ideale der SPÖ, der sie sich eigentlich seit Anbeginn ihres Bestehens festgeschreiben hat, die Idee von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, die absolut richtigen Ideale sind, und die Vision, die angeblich noch irgendwo besteht, von der Umwälzung der Gesellschaft, vom Überwinden des Kapitalistischen Systems, durchaus unterstützenswert ist. Das sind meine Ideale, ich glaube an ein besseres Gesellschaftssystem, ich glaube, dass jeder Mensch die gleichen Chancen verdient hat, und die SPÖ kommt meinen politischen und gesellschaftlichen Wertebild durchaus am Nächsten. Zum anderen ist halt leider die Realpolitik - kurz gesagt - zum speiben...

Ich hab mich mal kurzfristig mit den Grünen angefreundet, die sind zwar sattelfest gegen Rechts, aber an den bestehenden Verhältnissen wollen sie nur Korrekturen vornehmen, da fehlt mir einfach das Bekenntnis zum Überwinden der Klassenunteschiede. Auch nicht so ganz das Wahre.

 Und dann gibts aber Leute wie Andi Babler, SP-Stadtrat aus Traiskirchen, der der SP-Spitze schon mal via APA-OTS ausrichtet:

           "Die Sozialdemokratie hätte politisch ernstere Aufgabenstellungen
        zu bewerkstelligen. Gerade jetzt wo die Auswirkungen und
        Krisenanfälligkeit des vorherrschenden ökonomischen Systems so
        offensichtlich sind, wären grundsätzlich alternative Politikansätze
        notwendig."

           "Die SPÖ hat offensichtlich verlernt, die vorherrschenden
        ökonomischen Mechanismen kritisch zu hinterfragen und - so  wie jetzt
        im Interesse der Menschen - konsequenterweise auch in Frage zu
        stellen.

           Anstelle Liebkind von den Rating-Agenturen, die ja
        mitverantwortlich für die aktuellen Krisen sind, zu sein, ist es
        höchste Zeit, sich mit echten Alternativen zum Neoliberalismus zu
        beschäftigen."

Sein heutiges Gastkommentar im Standard zur Causo ORF/Pelinka kann ich ebenfalls unterschreiben.

Oder aber auch die Sektion 8, manche Teile der SJ, Sonja Ablinger, viele Personen in der Stamokap-Bewegung (wenn sie nur nicht so nationalistisch wären...), und noch viele viele mehr,  das sind für mich alles SozialistInnen und SozialdemokratInnen, die durchaus die Partei verändern können. Und dann denk ich mir, Sozialdemokratie ist nicht nur eine Partei, sondern eine Weltanschauung, eine Überzeugung, eine Lebenseinstellung. Ich kann mich guten Gewissens Sozialdemokrat nennen, auch wenn "meine" Partei den Namen Tag für Tag mit den Füßen tritt.

Irgendwie ist die SP ein bisschen wie ein Fußballverein: Es gibt guten Tage, an denen man sich gemeinsam freut, man feiert Meisterschaften und Titel, aber wenn der Absteig droht, steht man trotzdem zu seinem Klub. Ein Austritt aus der SP würde bedeuten, nicht mehr innerhalb der Partei kritisieren zu können, Stimmrechte zu verlieren, und viele Chancen auf die Möglichkeit zur Veränderung aufzugeben. Innerparteiliche Opposition, das triffts wohl am Besten. Wenn die progressiven Köpfe innerhalb der Partei verschwunden sind, dann seh ich schwarz. Hoffentlich wird das nie passieren.